Zoni


Auf Samtpfoten









 Zoni (eine fast wahre Geschichte)

es war einmal ein kleiner, schwarzer Kater. Da er in der Ostzone – pardon – in den neuen Bundesländern geboren wurde, nannte man ihn kurzerhand Zoni. Mattias, der damals in Halle arbeitete, nahm ihn mit nach Hannover, wo der kleine Kater in der Südstadt ein neues Zuhause fand. Allerdings lebte Mattias nicht allein. Er teilte sich seine 4 Zimmer-Wohnung mit 2 anderen Katzen: Nudel und Oscar. Oscar hieß Oscar weil er in einer Mülltonne gefunden wurde und war ein wunderschöner, grau getigerter Kater mit einem weichen, weißen Bauch. Nudel – nun ja – Nudel war eben irgendwie nudelig: Lieb, dick, gemütlich und ständig am Schnurren. Sie hatte ein schwarz-weißes Fell und war der ruhende Pol in der Familie. Das war auch bitter nötig, denn Zoni brachte Leben in die Bude und ging den beiden älteren Katzen manchmal leicht auf die Nerven. Mattias merkte bald, dass der schwarze Kater für die Wohnung nicht wirklich geeignet war. Zoni wollte raus, herumtollen und auf Bäume klettern. Das alles war in einer Stadtwohnung nur bedingt möglich. Nudel und Oscar waren schon recht betagt und hatten nicht immer Lust, sich mit dem quirligen Jungkater herum zu balgen. Und so gab es dann auch schon einmal Streit, den Nudel aber meistens schlichten konnte.

So vergingen die Jahre, Zoni wurde größer und dicker und mit der Zeit auch ruhiger. Dann wurde Nudel sehr krank und starb kurze Zeit später. Für die beiden Kater war es ein großer Schock. Nudel hatte immer darauf geachtet, dass die beiden sich nicht zu sehr in die Haare gerieten. Plötzlich war es vorbei mit der Katzenidylle. Oscar war von jeher das Alfa Männchen, hatte sich aber bisher Zoni gegenüber immer ganz normal und nett verhalten. Auch wenn Zoni inzwischen fast das doppelte wog und wesentlich größer war als der alte Kater, so hatte er doch einen Riesenrespekt vor Oscar. Dieser ging nun immer häufiger auf Zoni los. Ständig gab es Streit und Prügeleien, so dass Mattias schon überlegte, sich von einem Kater zu trennen. Aber das brachte er einfach nicht übers Herz. Zoni war mittlerweile bei Mattias unter das Bett gezogen und zwar mit samt seinem Katzenklo und seinem Fressnapf. Dort war er einigermaßen sicher vor Oscars Attacken; und wenn Mattias zu Hause war, traute er sich sogar aus seinem Versteck heraus.

Es dauerte Monate bis sich die zwei Kater wieder zusammen gerauft hatten. Aber mit viel Geduld und Liebe brachte Mattias es schließlich fertig, dass beide wieder aus einem Napf fraßen. Es war fast wie früher – aber eben nur fast... Oscar war jetzt 15 Jahre alt und auch schon leicht altersschwach. Irgendwann hörte einfach sein schwaches Herz auf zu schlagen, und Zoni blieb allein zurück. Mattias musste den ganzen Tag arbeiten und hatte nur abends Zeit, sich mit dem dicken Kater zu beschäftigen. Zoni war an die Einsamkeit nicht gewöhnt, und war sehr traurig über den Verlust. Oscar und er hatten sich in der letzten Zeit gut verstanden und oft zusammen gespielt. Nun war alles anders. Nach der Trauer kam die Langeweile. Was sollte er den ganzen Tag anfangen? Schlafen? Fressen? Er wog bereits 13kg, und wurde schon auf Diät gesetzt. Etwas Bewegung würde sicherlich gut tun, vielleicht konnte er sich ja auch irgendwie nützlich machen. Zoni dachte nach, und hatte eine Idee: „Ich renoviere die Wohnung,“ beschloss er. Er war groß und kräftig und jeder weiß, dass Katzen nicht dumm sind. Mattias würde sich sicher freuen. „Wie und wo fange ich nur an?“ überlegte der Kater. „Am besten, ich räume erst mal auf.“ Nun haben Katzen offensichtlich einen anderen Ordnungssinn als wir Menschen, aber das macht ja weiter nichts. Zoni räumte die Schränke aus und stapelte diverse Sachen unter Mattias’ Bett. Danach begann er mit den Renovierungsarbeiten. Er hatte das oft im Fernsehen gesehen, und wusste, dass es nicht besonders schwierig war. Pro Zimmer benötigte man maximal eine Stunde. Gut, er war ja nur ein Kater, und möglicherweise würde er etwas länger brauchen, aber er hatte ja Zeit ohne Ende. Nachdem die Aufräumungsarbeiten abgeschlossen waren, begann Zoni, die Tapeten abzureißen und zwar in allen Räumen gleichzeitig. Krrrratz. Das machte ja sogar noch Spaß! Die langweiligen weiß getünchten Raufasertapeten bekamen so ein hübsches Muster. Mattias würde weinen vor Glück. Doch als dieser die Bescherung sah, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Er schimpfte und meckerte und Zoni verstand die Welt nicht mehr. „So ein blöder Mensch“ dachte der Kater. Schließlich war die Verschönerung der Wohnung noch gar nicht beendet. Wenn ich erst mal fertig bin, wird es dem Herrchen schon gefallen,“ sagte er sich und machte einfach unbeirrt weiter. Jeden Abend, wenn Mattias von der Arbeit kam, entdeckte er neue Kratzspuren an den Wänden. Schön sah das nicht gerade aus, aber Zoni gefiel es, und sein Herrchen beschloss: „Ich brauch Tapetenwechsel!“ Dabei dachte er weniger ans Tapezieren als vielmehr an Urlaub. Doch wohin mit Zoni? Er konnte ihn schlecht allein in der Wohnung lassen. Eine Freundin bot sich zwar an, jeden Tag vorbei zu schauen und den dicken Kater zu versorgen, aber eine Ideallösung war das nicht. Claudia erklärte sich schließlich bereit, ihn (den Zoni nicht den Mattias) in Pflege zu nehmen. Es gab da nur ein winziges Problem: Das Problem hieß Lisa. Lisa war Claudias Kätzchen – nur wenige Wochen alt und man war etwas besorgt, wie der große Kater auf die kleine Lisa reagieren würde. „Wir probieren es einfach aus“ entschied Mattias und stopfte Zoni in den Katzencontainer. Was sollte das nun wieder? Zoni passte das überhaupt nicht. Er kannte diese Aktionen – meistens ging es dann zum Tierarzt und man bekam irgendwelche Spritzen verpasst oder es wurden andere furchtbare Dinge mit einem angestellt. Mattias versuchte, den Kater zu beruhigen: „Hey, es geht in den Urlaub – es wird Dir gefallen“. Zoni wehrte sich mit allen Kräften und kratzte und biss. Er wollte weder in den Urlaub (was war das überhaupt??) und noch viel weniger in diese blöde Kiste! Außerdem waren seine Renovierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen, und er hatte keine Zeit für solche Fiesematenten. Aber es nützte nichts, Zoni wurde - unter Protest - ins Auto verfrachtet und landete kurze Zeit später bei Claudia und Lisa.



Lisa – mal gerade eine Handvoll Katze fauchte Mattias und Zoni sofort an, als die beiden die Wohnung betraten. Na, das konnte ja heiter werden. Lisa war braun-beige gemustert und extrem süß. Das musste auch Zoni zugeben. So eine kleine Katze hatte er noch nie gesehen. Wie sollte er sich ihr gegenüber nur verhalten; er wollte auf gar keinen Fall Schwierigkeiten bekommen, und wieder monatelang unter irgendwelchen Betten hausen. Lisa zickte zunächst etwas herum, beruhigte sich aber bald wieder. Der dicke Kater schien ja ganz nett zu sein, und sie nahmen vorsichtig Kontakt auf. Offensichtlich war alles gut und Mattias konnte beruhigt in den Urlaub fliegen. Jeden Tag rief er bei Claudia an, um sich nach Zonis Wohlergehen zu erkundigen. Und - Zoni ging es ausgesprochen gut. Er verstand sich prima mit Lisa und brachte ihr allerlei nützliche Dinge bei: Essen ist nicht nur zum Essen da – nein man kann auch herrlich damit herumspielen. „Schau mal Lisa und so gehen die Schränke auf“. Manchmal findet man ganz nützliche Dinge darin. Lisa war begeistert und lernte schnell. Nur als Zoni begann, die Tapete abzureißen, zögerte sie. Frauchen würde das gar nicht gefallen und damit hatte sie auch Recht. Die Zeit bei Lisa verging wie im Flug, und Mattias Urlaub war zu Ende. Die Zeit des Abschieds kam. Als Mattias seinen Kater bei Claudia abholen wollte, hatte er den Eindruck, als wolle dieser gar nicht wieder mit. Lisa fauchte und protestierte, und Zoni versteckte sich – richtig – unterm Bett. Trotzdem gelang es Mattias irgendwie den Dicken einzufangen, wieder in die Transportbox zu stecken und mit nach Hause zu nehmen. Aber anstatt sich zu freuen, wieder in seiner gewohnten Umgebung bei seinem Herrchen zu sein, reagierte Zoni verstört und traurig.

Wie schön, war es doch bei Lisa – der süßen, kleinen Lisa. Würde er sie jemals wiedersehen? Wie sollte er seinem Menschen klar machen, dass er sich verliebt hatte? – Ja, so etwas passiert auch Katzen. Sicher er war nicht mehr ganz jung und etwas aus der Form geraten, aber er hatte ein großes Herz. Und das gehörte Lisa. Die schien ebenfalls Sehnsucht nach ihrem dicken, gutmütigen Freund zu haben. Mattias und Claudia fiel das zunächst gar nicht auf. Lisa war ja noch klein und schien mit der Trennung ganz gut klar zu kommen, aber Zoni wurde mit der Zeit richtig depressiv. Das merkte Mattias schließlich auch. „Ob sich der Kater einsam fühlt?“ überlegte er. Und so beschloss er, Claudia und Lisa zusammen mit Zoni zu besuchen. Der dicke Kater freute sich wie ein Schneekönig, als er seine kleine Freundin wieder sah. Irgendwie wurde dann auch ihren beiden Menschen klar, dass sich da zwei gesucht und gefunden hatten. Zoni durfte vorerst bei Lisa und Claudia bleiben, allerdings unter der Voraussetzung, dass Mattias für eventuell anfallende Renovierungskosten aufkommen würde; denn Zoni hatte bei Claudia im Wohnzimmer schon mal Maß genommen. Gott sei Dank konnte Lisa ihn davon abhalten, allzu viel Blödsinn zu machen, und Claudia mochte den dicken, liebenswerten Kater inzwischen auch nicht mehr hergeben.

Mattias hat sich übrigens schnell damit abgefunden, dass Zoni bei ihm ausgezogen ist, denn er und Claudia waren sich auch näher gekommen. Nachdem Zoni sich für ein Leben mit Lisa entschieden hatte, planten nun auch ihre beiden Menschen eine gemeinsame Zukunft. Die Wohnung wurde dann aber doch etwas zu eng, und vor kurzem sind die vier gemeinsam aufs Land gezogen. Dort hat Zoni jetzt einen Garten zum Herumtollen und Bäume zum Klettern und - seine heiß geliebte Lisa.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen